Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde Fischbeck

 

Gemeindehaus Fischbeck

Der Reformator als Sprachsetzer

„Geschrieben steht:
‚Am Anfang war das Wort‘.
Hier stock ich schon,
wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort
so hoch unmöglich schätzen,
ich muss es anders übersetzen.“

Dass Goethe im Jahr 1808 mit seinem Faust, dem er diese Worte in den Mund gelegt hatte, Erfolg haben konnte, lag nicht zuletzt am Wort oder besser an einer einheitlichen deutschen Schriftsprache. Deutschland war immer noch ein politischer Flickenteppich mit ebenso vielen Mundarten und Dialekten. Aber Goethe konnte auf eine einheitliche Schriftsprache bauen - Dank Martin Luther.

Zu Luthers Zeiten war Deutschland politisch und sprachlich ein Flickenteppich, die gemeinsame, offizielle Sprache war das Lateinische, das aber nur politische und religiöse Eliten beherrschten.
Aber: Als zwischen 1200 und 1500 immer mehr Städte entstanden und damit ein Bürgertum erwuchs, wurden mehr Kinder auf lokale Schriftschulen geschickt und weniger auf die Domschulen. Mehr Städte hieß aber auch mehr Handel. Und so ist es nicht verwunderlich, dass gerade Kanzleien und Kontore versuchten, ihre Verträge oder auch Gerichtsurteile allgemeinverständlich zu verfassen und zu verbreiten.
Mit den Städten kam aber auch eine neue Technologie auf: die Druckerpressen. Kleinere fixierten in den Städten die lokale Umgangssprache und Orthografie. Die großen etablierten die Handels- und Vertriebswege für das neue Luxusgut Buch. Haupteinnahmequelle der Druckerpressen (also Verlage) waren damals die Flugschriften - solche zum Aufruf zum Kreuzzug nach dem Fall von Konstantinopel und Ablassbriefe.
Diese Vertriebswege nutze dann auch Luther zur Verbreitung seiner noch in Latein verfassten 95 Thesen.
Entscheidend für die deutsche Sprache war aber, dass Luther den Disput auch über die Öffentlichkeit, also in deutscher Sprache führte.
Der „Sermon von Ablaß und Gnade“, ein Achtseiter, wurde 1518 in Wittenberg zweimal aufgelegt, in Leipzig viermal und je zweimal in Nürnberg, Augsburg und Basel.
Ein geschickter Schachzug, denn Luther verlegte damit den Disput auf das umgangssprachliche Feld, in dem ihm seine Gegner rhetorisch unterlegen waren. Und er erschloss sich einen neuen Absatzmarkt - das lesende Laienpublikum.
1518 und 1519 war Luther mit seinen 25 lateinischen und 20 deutschen Traktaten der meistpublizierte Autor in Europa.

Die Wahl einer deutschen lokalen Sprache war aber für Luther nicht nur ökonomisches oder nur strategisches Kalkül, sondern auch geistliche Überzeugung. Luther fand ein in einer deutschen Sprache verfasstes Traktat eines anonymen Deutschordenpriesters, das er selbst 1516 als Buch „Theologia deutsch“ drucken ließ. Im Vorwort zu diesem Buch sagt Luther: „(…) Ich danke Gott, dass ich in deutscher Zunge meinen Gott also höre und finde, als ich, und sie mit mir, anher nicht funden haben, weder in lateinischer, griechischer noch hebräischer Zungen.“
Auf der Wartburg entstand dann 1522 in nur elf Monaten die Übersetzung des Neuen Testaments, gedruckt in einer Startauflage von 3000 Stück - damals eine Riesenauflage, finanziert durch die Erfolge seiner Flugschriften.
Wie aber übersetzte Luther?

„Nicht der Sinn folgt den Worten,
sondern die Worte
sollen dem Sinn
dienen und folgen.“

Der Sinn einer Quelle sollte erhalten bleiben und eine Zielsprache übersetzt werden, ohne wortwörtlich zu übertragen.
Was ist aber das Deutsch, das Luther für seine Bibelübersetzung verwendet oder besser erzeugt hat?
Luther war mit vielen Mundarten vertraut. Die Muttersprache war das mitteldeutsche Thüringische. Sein Geburtsort Mansfeld lag allerdings am Südrand des Harzes, niederdeutsches Gebiet mit Platt als Mundart. Das sächsische Fürstentum war der Ort, an dem die meisten seiner Schriften gedruckt wurden und dort wurde Hochdeutsch gesprochen.
Um Gottes Wort zwischen Nordsee und Alpen „klar und gewaltig zu verdeutschen“ entwickelte er eine Mischsprache, die als Vorläufer des heutigen Standarddeutsch anzusehen ist. Luther entschied sich bewusst für Worte, die nach seiner Einschätzung die beste Verbreitung garantieren würden. Er wechselte zwischen meißnischer Kanzlei- und habsburgischer Hochsprache hin und her oder integrierte andere Begriffe oder schuf neue.
Das eigentlich hochdeutsche also habsburgische „geuden“ und „gleissen“ wurde zum meißnischen „prahlen“ und „heucheln“. Das hochdeutsche „Brunn“ und „bringen“ ersetzen dagegen „Born“ und „brengen“. Niederdeutsch „Pfote“ und „Hälfte“ bevorzugte Luther vor „Pratze“ und „Halbteil“. Das Wort „mannigfarb“ ersetzte er durch das tschechisch-magyarische Lehnwort „bunt“. Das slawische „Peitsche“ oder „Grenze“ ersetzten „Geissel“ und „Mark“.
Seine Wortneuschöpfungen sind in unserer heutigen Sprache selbstverständlich: Feuereifer, friedfertig, Glaubenskampf, Machtwort, Rüstzeug.
Oder seine Übersetzungen aus der Vulgata prägen Redensarten: „Der Prophet im eigenen Lande gilt nichts“, „Geben ist seliger denn nehmen“.

Das Lutherische Bibeldeutsch - heute als Frühneuhochdeutsch bezeichnet - ersetzte schnell in Universitäten, Regierungen und in der Kirche das Lateinische als Konversationssprache. Über die Verbreitung der gedruckten Bibel wirkte sich das Bibeldeutsch auch als Standard auf die Dialekte aus. Vielleicht lag Goethe im Faust doch richtig. Vielleicht ist das Wort für seine Wirkung auf die Tätigkeit der Übersetzung und die Technik der Druckerpressen angewiesen:

Mir hilft der Geist!
Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost:
Im Anfang war die Tat!

                                                                                          Volker M. Banholzer

 

 

 

Filme zum Lutherjahr

Für das Reformationsjahr 2017 produziert die Landeskirche Hannover zusammen mit
Evangelische Kirche im NDR eine 12-teilige Reihe Lutherfilme.
Die Liste dieser Filme (sogenannte "Playlist") wird nach und nach erweitert.

 

 

#Reformationssommer

Die Evangelische Kirche in Deutschland [EKD] hat zusammen mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag zum 500jährigen Jubiläum der Reformation den Verein "Reformationsjubiläum 2017 eV" gegründet.
Dieser Verein koordiniert den "#Reformationssommer".
Was das heißt und welche Aktivitäten sich dahinter verbergen, erfahren Sie                                        hier     und     hier

 

 

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